Die Bluterkrankheit (Hämophilie) ist eine angeborene Erkrankung, die durch einen Mangel des durch das X-Chromosom getragenen Blutgerinnungsfaktors gekennzeichnet ist. Die an Hämophilie leidenden Patienten sind von einem hämorrhagischen Syndrom unterschiedlicher Intensität betroffen, das durch Hämarthrosen (intraartikuläre Blutungen) und muskuläre Hämatome charakterisiert ist.
Die Hämarthrosen sind verantwortlich für Muskelatrophie aufgrund von inhibitorischen Reflexen und des Fehlens willentlicher Aktivitäten. Diese Atrophie hat eine Verschlechterung des Schutzes des Gelenks zur Folge, das daraufhin verstärkt Hämarthroserückfällen ausgesetzt ist. Es kommt zu einem echten Teufelskreis.
Die neuromuskuläre Elektrostimulation ist eine sehr gut geeignete Methode zur Behandlung der Amyotrophie und zur Stärkung der Muskulatur von Bluterkranken. Aufgrund des Risikos der Hämorrhagie können jedoch nicht die herkömmlichen Programme angewendet werden.
Tests mit einem Dehnungsmessgerät und isokinetischen Instrumenten haben es ermöglicht, Parameter für die Stimulation festzulegen, bei der Kontraktionen mit sehr progressiv ansteigender Spannung bewirkt werden. Durch das Vermeiden eines plötzlichen Einsetzens der Spannung und von Spannungsspitzen ist es somit möglich, das Risiko von Blutungen sowohl bei den Muskelfasern als auch beim Knochen- und Sehnengewebe zu minimieren. Bei diesen Programmen werden immer Frequenzen von über 25 Hz und eine Anstiegsdauer der Spannung über mindestens 4,5 Minuten angewendet.
Die so entwickelten Programme wurden erfolgreich an einer Gruppe von Bluterkranken getestet, die freiwillig an diesen Tests teilgenommen haben.
BEHANDLUNG DER MUSKELATROPHIE
Vom histologischen Standpunkt aus betrachtet ist die funktionelle Muskelatrophie bei Blutern und Nicht-Blutern identisch. Von diesem Phänomen der Muskelatrophie sind die verschiedenen Muskelfasern nicht in gleicher Weise berührt. Vor allem die langsam leitenden Fasern (Typ I) sind von der Atrophie betroffen. Es ist daher logisch, die Frequenzen zur Tetanisierung der Fasern vom Typ I zu verwenden, wenn man mittels tetanischer Reizströme einen amyotrophen Muskel einer stärkeren Belastung aussetzen will, um sein Volumen wiederherzustellen.
Es scheint auch logisch, die Menge der dem Muskel auferlegten Arbeit nach einigen Trainingssitzungen zu steigern (im Allgemeinen nach einer Woche).